Martin Schulz, Kanzlerkandidat der SPD:
»Ich bin sehr konkret.«

Martin Schulz, Kanzlerkandidat der SPD:»Ich bin sehr konkret.«

Exklusiv-Interview bei n-tv zu seiner historischen Nominierung

ZEITPUNKT-MAGAZIN – Martin Schulz: »Insgesamt kam gestern der Wille zum Ausdruck, diesen Wahlkampf aufzunehmen, und die SPD hat seit langer Zeit mal wieder das Gefühl, wir können es schaffen. Und das ist sicher auch ein Grund für dieses Resultat.« Über den Hype um seine Person: »Die Menschen mit denen ich rede haben fast alle eine ziemlich ähnliche Botschaft. Mir persönlich, sagen sie mir, geht es eigentlich gar nicht so schlecht. Aber insgesamt geht es in der Gesellschaft nicht richtig zu. Ich versuche dieses Gefühl aufzunehmen. Euer Schicksal interessiert mich sehr wohl und ich will eine Politik machen, die euch Erleichterung im Alltag bringt.«

Zu den Vorwürfen, er sei unkonkret:
»Ich bin sehr konkret. Ich habe den Facharbeiter-Mangel adressiert, als erstes angesprochen. Nehmen sie die Familien, die eine Dreifachbelastung haben: Kinder, Eltern, Beruf. Was brauchen die? Die brauchen Ganztagsbetreuung ihrer Kinder. Da haben wir ganz konkret gestern gesagt: Wir wollen die Investitionen und auch die Gebührenfreiheit von der Kita bis zur Universität. Nehmen sie die Investitionen in die Pflege: mehr Personal, bessere Ausbildung in diesem Bereich, übrigens auch bessere Bezahlung. Nehmen sie den Investitionsrückstau in der öffentlichen Infrastruktur. Ich habe Schulen gesehen, die sehen aus wie Baustellen.«

»Und wenn wir dann hören, dass der politische Gegner sagt, wir wollen 20 Milliarden mehr in die Rüstung stecken, aber dafür die Sozialleistungen kürzen, dann haben wir da sehr konkrete Gegenmodelle. Also der Vorwurf, ich sei nicht konkret trifft erstens nicht zu und zweitens, ich frag sie mal, warum dann der Wettbewerber, insbesondere die Union, ihren Programmparteitag in den Juli verlegt hat. Also die sind nach uns.«

Auf die Frage, warum er keinen Schuldenabbau und Steuerentlastungen will:
»Wir haben etwa 24 Milliarden Überschüsse bei Bund, Ländern und Gemeinden. Was wir brauchen sind Entlastungen für Bürgerinnen und Bürger. Beispiel: Eine alleinerziehende Mutter, die 900 Euro Netto verdient, muss je nachdem 120 Euro für die Kita bezahlen. Wenn diese Gebühren wegfallen, hat sie genau den Kitabetrag mehr. Die Frau geht arbeiten, damit sie die Kita bezahlen kann. Die Kita muss aber da sein, damit sie arbeiten gehen kann, um für sich und ihr Kind ein vernünftiges Leben zu ermöglichen. Das ist das was wir wollen, das unterscheidet uns von den Vorstellungen der anderen Seite.«

»In der jetzigen Phase sind wichtig: Investitionen in Bildung, Qualifizierung und die Investition in die Infrastruktur, in die digitale Infrastruktur. Wenn wir nicht wollen, dass Menschen, die im ländlichen Raum wohnen, Bürger zweiter Klasse sind, dann brauchen wir auch Investitionen in den ländlichen Raum.«

Zu den Nazi-Vergleichen des türkischen Staatschefs Erdogan gegenüber Bundeskanzlerin Angela Merkel:
»Es ist nicht zum ersten Mal so, dass ich einen Nazi-Vergleich der Regierungschefin unseres Landes gegenüber zurückweisen muss. Das ist eine dreiste Unverschämtheit was dieser Mann da macht. Gerade gegenüber einem Land, das wie kein anderes, die richtigen Konsequenzen aus seiner Geschichte gezogen hat, hat dieser Mann nicht das Recht so zu reden.«

»Nichts desto trotz bleibt die Türkei ein Schlüsselland in der Region, sie bleibt auch ein wichtiger Partner für die Bundesrepublik. Auch, weil die Türkei das Land ist, das die meisten Flüchtlinge aufnimmt und mit dem wir schon alleine deshalb kooperieren sollten. Ich glaube auch das zur friedlichen Entwicklung in der Region am Ende eine stabile Türkei zwingend notwendig ist. Wir haben also ein Interesse daran, den Dialog fortzusetzen.«

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