Einmalige Naturphänomene an der Nordsee
Geschrieben von Zeitpunkt am 02. September 2017 um 08:43:57

ZEITPUNKT-MAGAZIN - Das Erlebniszentrum Naturgewalten Sylt informiert in einer interaktiven Ausstellung über Naturphänomene, Wetterereignisse und die Kräfte der Nordsee, die das Leben an der Küste prägen. Naturkundliche Veranstaltungen, Führungen und Vorträge ergänzen das Angebot. 
Meeresleuchten 
Dunkel, warm, stilles Meer – man merkt, gleich kommt Biologie ins Spiel: »Dieses Schauspiel ist aber trotz vorhersehbarer Faktoren wie Temperatur und Nährstoffgehalt des Meeres, seiner Wind- und Strömungsverhältnisse schwer vorherzusehen – es muss Einiges zusammenpassen, damit das Meeresleuchten auftritt«, erklärt Matthias Strasser, Leiter des Naturgewaltenzentrums in List auf Sylt.


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ZEITPUNKT-MAGAZIN - Das Erlebniszentrum Naturgewalten Sylt informiert in einer interaktiven Ausstellung über Naturphänomene, Wetterereignisse und die Kräfte der Nordsee, die das Leben an der Küste prägen. Naturkundliche Veranstaltungen, Führungen und Vorträge ergänzen das Angebot. 

Meeresleuchten 
Dunkel, warm, stilles Meer – man merkt, gleich kommt Biologie ins Spiel: »Dieses Schauspiel ist aber trotz vorhersehbarer Faktoren wie Temperatur und Nährstoffgehalt des Meeres, seiner Wind- und Strömungsverhältnisse schwer vorherzusehen – es muss Einiges zusammenpassen, damit das Meeresleuchten auftritt«, erklärt Matthias Strasser, Leiter des Naturgewaltenzentrums in List auf Sylt. Ein paar Tipps, dieses einzigartige Naturphänomen an der Nordsee zu beobachten haben die Leute vom Naturgewaltenzentrum 
allerdings schon: »Es sollte windstill sein, meist wird das Meeresleuchten zwischen Mai und Oktober beobachtet.

Und wenn das Meer dann auch noch nachts ruhig ist, stehen die Chancen am besten – denn sonst entladen die kleinen Leuchttierchen ihre ganze Energie schon in den Wellen.« Kleine Tierchen also; hat sich was mit Magie und göttlicher Energie. Das Licht im Meer stammt aus dem Stoffwechsel von winzig kleinen Einzellern, diese Meeresbewohner ernähren sich von Plankton und vermehren sich bei genügend Wärme und ausreichend Nahrung – günstige Strömungen treiben sie an manchen Orten zusammen.

Das, was so mysteriös leuchtet, ist also nicht die Nordsee selbst. »Und wenn diese kleinen Tierchen mechanisch gereizt werden – sei es durch Wellenschlag oder durch Berührung mit der Hand -, beginnen sie zu leuchten«, erklärt Matthias Strasser. Wenn Meeresleuchten auftritt, kann man mal mit der Hand sachte über den nassen Sand am Spülsaum streichen – hat man Glück, kann es dort blinken und glitzern. Auch ein Fußabdruck kann in dunkler Nacht am Sommerstrand sanft leuchten und in fahlem, geisterhaften Licht nachschimmern. Und will man es fassen, ist es weg - schön und wundersam wie ein Traum. 

Luftspiegelungen 
Manchmal kann man an der Nordseeküste etwas sehen, dass man gar nicht sehen kann: Eine Illusion, ein Fata Morgana, ein ganz reales Hirngespinst. Helgoland etwa von der Küste bei St. Peter-Ording aus – mit blitzendem Leuchtturm, Funkmast, mit abendlich illuminierter, unverkennbarer Kontur. Helgoland aber liegt hinter dem Horizont und ist für den Betrachter nicht sichtbar. Ein spukhaftes Phänomen, auch deshalb, weil es in den Abendstunden über dem Meer auftaucht.

Dieses Ereignis ist extrem selten: »Insbesondere wenn an ruhigen Frühlings- oder Frühsommertagen auf dem Meer warme über kalter Luft geschichtet ist, können Lichtstrahlen gebrochen und um die Erdkrümmung herumgeführt werden«, erklärt Rainer Schulz von der Schutzstation Wattenmeer, der das auch schon fotografiert hat, „Schiffe oder Inseln, die unter dem Horizont liegen, werden dann quasi angehoben und erscheinen sichtbar«, erklärt Schulz, der weitere faszinierende Fotos solcher Fata Morganas aufgenommen hat (www.schutzstation-wattenmeer.de/wissen/wattenmeer/landschaft/fata-morgana).

Helgoland beispielswiese liegt mit mehr als fünfzig Kilometern Entfernung außerhalb des Sichtfeldes, wird aber ein, zwei Mal pro Jahr zum Beispiel von St. Peter-Ording aus sichtbar. Manchmal steht die Insel sogar auf dem Kopf. Viel häufiger überraschen Luftspiegelungen: Am größten ist die Wahrscheinlichkeit, schwebende Inseln oder fliegende Schiffe zu sehen, auf den großen, langen Wattwanderungen. „Luftspiegelungen entstehen durch Ablenkung des Lichtes an unterschiedlich warmen Luftschichten«, erklärt Rainer Schulz.

»Lichtstrahlen, die eine kalte Luftschicht durchqueren, stoßen auf die warme Schicht und werden dort reflektiert.« Damit dieses Phänomen passiert, muss es windstill sein, sodass die Luftmassen stabil übereinander gelagert sind – nur dann kann es die für die Spiegelung notwendige Grenzschicht geben. Diese Spiegelungen sind in der Regel in Bodennähe, beziehungsweise über dem Meer, zu sehen und über dunklen Flächen. Wer da draußen unterwegs ist, bewegt sich ohnehin in einer phantastischen Zwischenwelt, aber wenn die Luft zu flirren beginnt, kann Hitze Halluzinationen auslösen: Die Warften mit den Häusern der Halligen schwebten, dann eine Insel mit Dünen und Leuchtturm als seltsam flirrendes und verzerrtes Bild im Nirgendwo. Und über Sandbänke fahren Schiffe gleich einem irren Traum. 

www.naturgewalten-sylt.de