Zum Tode verurteilter iranischer Wissenschaftler Djalali: Wissenschaftler bitten Merkel um Unterst├╝tzung
Geschrieben von Zeitpunkt am 26. November 2017 um 12:09:15

EU übergibt Protestnote in Tehera -
75 Nobelpreisträger unterschreiben Erklärung

ZEITPUNKT-MAGAZIN/Heilbronner Stimme – Zur Person: Ahmadreza Djalali arbeitet seit 1999 im Bereich der Katastrophenmedizin. Die Hilfe für ihn wird angeführt vom Forschungsinstitut Crimedim und dem in der Türkei lebenden Professor Hakan Altintas. Djalali verließ 2009 den Iran, um seinen Doktor am Karolinska-Institut in Schweden zu machen. Zudem hat er als Dozent in Italien und in Brüssel gearbeitet.


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EU übergibt Protestnote in Tehera -
75 Nobelpreisträger unterschreiben Erklärung

ZEITPUNKT-MAGAZIN/Heilbronner Stimme – Zur Person: Ahmadreza Djalali arbeitet seit 1999 im Bereich der Katastrophenmedizin. Die Hilfe für ihn wird angeführt vom Forschungsinstitut Crimedim und dem in der Türkei lebenden Professor Hakan Altintas. Djalali verließ 2009 den Iran, um seinen Doktor am Karolinska-Institut in Schweden zu machen. Zudem hat er als Dozent in Italien und in Brüssel gearbeitet.

In den Fall des im Iran zum Tode verurteilten, international renommierten Mediziners Ahmadreza Djalali (46) hat sich die EU eingeschaltet. Nach Informationen der "Heilbronner Stimme" wurde bereits Ende Oktober in Teheran eine gemeinsame Protestnote der EU-Mitgliedstaaten übergeben, die sich gegen das Todesurteil aussprach. Das Auswärtige Amt steht zu diesem Fall in enger Abstimmung auch mit EU-Partnern.

Zudem haben sich jetzt, wie die Zeitung weiter berichtet (Samstag), 75 Nobelpreisträger, darunter die Schriftstellerinnen Herta Müller und Elfriede Jelinek sowie die Chemiker Gerhard Ertl und Joachim Frank, in einer gemeinsamen Erklärung an den UN-Botschafter des Iran mit der Bitte um Freilassung Djalalis gewandt. Ein weiterer Brief, verfasst vom Committee of Concerned Scientists mit der Bitte um Unterstützung, ging an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die britische Premierministerin und die Präsidenten von Frankreich, Italien und der EU-Kommission. Das Kanzleramt bestätigte der "Heilbronner Stimme" den Eingang des Schreibens an Merkel.

Aus dem Auswärtigen Amt ist zu hören, es verfolge die Entwicklung des Falles von Ahmadreza Djalali "sehr aufmerksam und mit großer Sorge". Die Bundesregierung lehne die Todesstrafe ab. Und weiter: "Diese klare Haltung ist weltweit und auch in Iran bekannt. Wir sprechen die Menschenrechtslage, ausdrücklich auch Einzelfälle, regelmäßig auf allen Ebenen gegenüber der iranischen Seite an."

In dem Brief an die Bundeskanzlerin bitten sie die Wissenschaftler des Committee of Concerned Scientists, das Leben des Mediziners Djalali zu retten: "Bitte tun Sie alles, was Ihnen möglich ist, um ein solch schweres Unrecht zu verhindern, das das Leben eines angesehenen Wissenschaftlers und Arztes gefährdet." Der iranische Mediziner Djalali, der eigentlich in Schweden lebt, wurde während eines Heimatbesuches verhaftet. Am 25. April 2016 war der Professor für Katastrophenmedizin zu einem Kongress in sein Heimatland Iran gereist.

Der Experte für Katastrophenmedizin war mit dem Auto von Teheran nach Karadsch unterwegs, als plötzlich der Wagen von Sicherheitskräften gestoppt wurde. Djalali schließlich im Evin-Gefängnis in Teheran inhaftiert. Die Haftanstalt ist bei Menschenrechtsorganisationen für Folter und unmenschliche Bedingungen bekannt. Der Vorwurf: Er habe für eine ausländische Macht spioniert. Schließlich wurde er wegen "Feindschaft gegen Gott" angeklagt und am 21. Oktober 2017 zum Tode verurteilt. Zuvor befand sich Djalali mehrere Monate in Einzelhaft, auch trat er in den Hungerstreik, sein gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich rapide.

Djalali hat unter anderem am Forschungsinstitut für Notfallmedizin Crimedim in Novara (Italien) gelehrt. Eine an den iranischen Präsidenten Hassan Ruhani gerichtete Petition im Internet haben fast 300.000 Menschen unterzeichnet. Den Vorwurf, der 46-Jährige habe Spionage für den Erzfeind des Irans, Israel, betrieben, können die Wissenschaftler, die sich für ihn einsetzen, nicht nachvollziehen. Der Katastrophen-Spezialist habe auf seinen weltweiten Reisen zwar auch Mediziner aus Israel getroffen, sich aber lediglich fachlich ausgetauscht. Von Spionage könne keine Rede sein.

Am 31. Januar 2017 war Djalali ohne Beisein seines Rechtsbeistands dem Revolutionsgericht in Teheran vorgeführt worden. Damals hatten sich Politiker darum bemüht, eine Anklage und damit ein Todesurteil zu verhindern. So hatte sich Evelyne Gebhardt, stellvertretende Präsidentin des europäischen, schriftlich an die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini gewandt. Sie rief Mogherini dazu auf, alle erforderlichen Schritte zu unternehmen, um das Leben des zweifachen Familienvaters zu retten.