Statement des Sohns von Dieter Hanitzsch, Stefan Hanitzsch: »In eigener Sache«
Geschrieben von Zeitpunkt am 18. Mai 2018 um 17:56:30

ZEITPUNKT-MAGAZIN - Die Chefredaktion der »Süddeutschen Zeitung« hat am Dienstag meinen Vater entlassen, fristlos, und ohne, dass er sich je etwas zuschulden kommen hat lassen, seit er 1959 anfing, für dieses Blatt zu zeichnen. Die Zeichnung, die nun zur unmittelbaren Kündigung führte, ist sicher streitbar und man darf den Urheber dafür genauso hart kritisieren, wie der das mit dem »Opfer« der Karikatur tut, dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu.


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ZEITPUNKT-MAGAZIN - Die Chefredaktion der »Süddeutschen Zeitung« hat am Dienstag meinen Vater entlassen, fristlos, und ohne, dass er sich je etwas zuschulden kommen hat lassen, seit er 1959 anfing, für dieses Blatt zu zeichnen. Die Zeichnung, die nun zur unmittelbaren Kündigung führte, ist sicher streitbar und man darf den Urheber dafür genauso hart kritisieren, wie der das mit dem »Opfer« der Karikatur tut, dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu.

Aber reicht das, um jemand nach jahrzehntelanger Mitarbeit derart rauszuschmeißen?

Will sich da jemand reinwaschen? Da die »Süddeutsche« bereits seit 1949 in der Kritik steht wegen Antisemitismus, und erst 2014 einen ordentlichen Miststurm erleben durfte wegen einer Karikatur eines Kollegen mit einem Juden als Krake (soll Zuckerberg sein), den man - anders als Hanitzschs Netanjahu - leider nicht erkennt, und weil Frau Knobloch der Meinung ist, dass SZ-Fass mit Antisemitismus sei nun übergelaufen, siehe den Brief von ihr an die SZ, muss jetzt offenbar jemand herhalten als Sündenbock.

Natürlich dürfen das nicht die Herren Chefredakteure selbst sein. Herr Kister und Herr Krach mussten an dem Tag dringend auf einer ganz wichtigen Party weilen. Auch der Leiter der sog. Redaktion »Meinung«, die für die Seite 4 verantwortlich ist, ein lupenreiner Moralist namens Prantl, war auf dieser Feier vollkommen unabkömmlich. Daher sind die Herren, die das Blatt lieber dem Stellvertreter der Stellvertreter überlassen haben, als es selbst zu machen, weil sie mussten ja netzwerken, nun völlig aus dem Häuschen, wie das passieren konnte.

Sie haben dabei keinerlei Interesse am Blick in den Spiegel, sondern setzten direkt lieber die Axt an - nein, die Kettensäge, es konnte ja nicht schnell genug gehen - und fielen diesen Baum, der seit 1959 in ihrem Garten steht und ihnen viel Prestige eingebracht hat, und tausende Karikaturen. Immer pünktlich. Immer verbindlich. Oft gefeiert. Nun das.

Leider haben sie das so eilig durchgezogen, dass ihnen der Baum beim Fallen aufs Dach gerumst ist. Da regnet es jetzt rein.

Ich persönlich hoffe, dass es nun einen reinigenden Regen in der »Süddeutschen Zeitung« gibt. Im Moment macht sie nicht den Eindruck, als ob sie das interessierte. Im Gegenteil. Der edle Herr Kister hat einen eleganten Schirm aufgespannt (»welcher Regen?«) und distanziert sich »In eigener Sache« von allem und er weiß offenbar von der Antisemitismus-Geschichte der »Süddeutschen« auch nichts. Oder doch? Kann es so billig sein, dass diese Leute glauben, mit einem Bauernopfer alles lösen zu können?

1949 musste Edmund Goldschagg als leitender Redakteur wegen eines unkommentiert veröffentlichten Leserbriefes von »Adolf Bleibtreu« zurücktreten. Nachfolger wurde Werner Friedmann. Als Dieter Hanitzsch 1959 seine erste Zeichnung in der SZ veröffentlichte, war Friedmann noch im Amt.

Am Montag waren Herr Kister, Herr Krach und Herr Prantl leider verhindert - Party statt Seite 4-Redaktionsbesprechung - wer will ihnen das verübeln? Aber an all den anderen Tagen? Wer hatte zum Beispiel Dienst, als die Zuckerberg-Krake veröffentlicht wurde?

Allgemeiner gefragt: Warum sind eigentlich so viele SZ-Leser davon überzeugt, Israel sei der Haupt- oder gar Alleinschuldige am Fortdauern des Nahost-Konfliktes? Kommt da Huhn zum Ei oder umgekehrt? Wie sieht es mit den Berichten in ARD und ZDF und anderen »Leitmedien« aus? Stichwort »Israel droht mit Selbstverteidigung" (Focus)? Nebenbei bemerkt, quasi »In eigener Sache«: Wird es den Kritikern meines Vaters gelingen, seine Persönlichkeitsrechte zu wahren? Fragen über Fragen. Quelle: Facebook

Siehe auch:
https://youtu.be/iSV_avPAwdM