ZEITPUNKT-MAGAZIN gratuliert
Fünf Jahre Markthalle Neun in Kreuzberg

ZEITPUNKT-MAGAZIN gratuliert Fünf Jahre Markthalle Neun in Kreuzberg

Pünktlich zum Festival feiert die Markthalle Neun gleich zweimal Geburtstag: Das neue Konzept wird fünf, die historische Halle gibt es schon seit 125 Jahren

ZEITPUNKT-MAGAZIN -Angefangen hat alles mit einer Anwohnerinitiative zur Erhaltung der Eisenbahnhalle. Aufgrund der Verdrängung kleiner Einzelhändler durch Discounter war die Halle ab den achtziger Jahren von Ausverkauf und Verfall bedroht. Zahlreiche Gespräche mit Bezirk und Stadt, mehrere Anläufe zur Verhinderung des Verkaufs an Großinvestoren und sogar eine friedvolle Besetzung der Halle waren notwendig, bis 2011 der Berliner Senat entschied – erstmals in der Geschichte der Stadt – eine Immobilie nicht für den höchsten Preis, sondern das beste Konzept zu vergeben.

Seitdem arbeiten die drei Betreiber Nikolaus Driessen, Bernd Maier und Florian Niedermeier und alle weiteren am Projekt Beteiligten mit ernsthafter Hingabe an einer alternativen Lebensmittelwirtschaft für alle. Ohne Kompromisse bei der Qualität für die Konsumenten, der Nachhaltigkeit für die Umwelt und den fairen Bedingungen für Bauern und Produzenten. Über 150 Arbeitsplätze sind dabei schon entstanden und viele innovative Projekte von Erzeugern, Händlern, handwerklichen Lebensmittelproduzenten und Köchen. Auch Verbraucherbildung und agrarpolitische Themen stehen auf der Agenda. Wie Nikolaus Driessen sagt, „unser Ziel war von Anfang an, einen Markt, aber auch einen Marktplatz zu schaffen. Einen Treffpunkt für Menschen, so niedrigschwellig, dass sich jeder aus der Nachbarschaft willkommen fühlt. Die Realität zeigt, wie schwierig es ist, diesen Anspruch zu verwirklichen.“

Doch das Projekt wächst stetig: mehr Platz, mehr Händler, mehr Wochenmarkt-Tage. Mit kreativem Chaos und einer kräftigen Portion Enthusiasmus stellt das Team einen machbaren Gegenentwurf zu einem Lebensmittelsystem auf, in dem einige wenige Großkonzerne den Markt bestimmen. Das zeigt sich besonders in den Themenmärkten und natürlich beim Stadt Land FoodFestival. Und den drei Begründern gehen noch lange nicht die Ideen aus. Aktuell planen sie, den Viktoriaspeicher in der Köpenicker Straße mit Leben zu füllen und dort für leidenschaftliche Lebensmittelhandwerker Produktionsflächen zu schaffen.

So sagt Bernd Maier: „Es hat mich fasziniert, wie jemand aus einem Traum ein kleines Unternehmen strickt, das eine ganze Familie ernähren kann, zum Beispiel bei Johannes Heidenpeter. Auch die gläserne Metzgerei bei uns ist für mich ein Beispiel, wie die nächste Generation Lebensmittelproduzenten aussieht, mit viel Liebe zum Produkt, Achtung vor seinem Ursprung – in dem Fall auch dem Tier.“ Besonders wichtig ist den Beteiligten, „für“ etwas zu stehen.

Für die Unterstützung ökologischer Landwirtschaft, für faire Produktionsketten, für originelle Formate – die Liste ist lang. Florian Niedermeier sagt dazu: „Wir sind offen gestartet. Wenn ich heute sehe, was für eine Plattform in der Markthalle Neun entstanden ist und vor allem, wer sie bevölkert, besucht und belebt, bin ich immer wieder überwältigt von der bunten Vielfalt dieses Marktplatzes, den ich mir schöner nicht hätte vorstellen können.“
Lili Ingmann 

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