»Berlin wächst – die Kriminalität nicht«

»Berlin wächst – die Kriminalität nicht«

Berlins Innensenator Andreas Geisel und Polizeipräsident Klaus Kandt stellen Berichte zur Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) und Politisch Motivierten Kriminalität (PMK) für das Jahr 2016 vor

ZEITPUNKT-MAGAZIN – Für das Jahr 2016 wurden in Berlin 568.860 Straftaten in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst. Das sind trotz eines Bevölkerungszuwachses von gut 60.000 Menschen 689 Fälle weniger als 2015. Wie in den Vorjahren wird das Bild der Gesamtkriminalität fast zur Hälfte von Diebstahlkriminalität geprägt. Der Schwerpunkt liegt zum wiederholten Male auf Taschen- und Ladendiebstahl, gefolgt vom Diebstahl von und aus Kraftfahrzeugen sowie dem Fahrraddiebstahl.

Im vierten Jahr in Folge ist ein deutlicher Rückgang der Fallzahlen beim Raub festzustellen, während alle Formen der Körperverletzung insgesamt um 5,3 Prozent-Punkte zugenommen haben.

Bei Mord und Totschlag konnte mit 92 Fällen (Rückgang um 17,9 Prozent) der niedrigste Wert der vergangenen zehn Jahre verzeichnet werden. Bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurden 60 Fälle mehr als 2015 registriert (2016: 2852). Stark zugenommen haben die bisher nicht zu den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zählenden Beleidigungen auf sexueller Grundlage – um 376 auf 1.255 Fälle (+42,8 Prozent). Möglicherweise besteht hier nach den Ereignissen in Köln zum Jahreswechsel 2015/2016 eine erhöhte Sensibilität, die zu einem veränderten Anzeigeverhalten und damit zu höheren Fallzahlen geführt hat.

Die Jugendgruppengewalt ist ein weiteres Jahr in Folge gesunken (Minus 7 Prozent); die Straftaten in Bussen und Bahnen nahm hingegen um 10,4 Prozent zu. Das liegt vor allem an Taschendiebstählen.

Ungebrochen hoch bleibt der Druck bei den Diebstahlsdelikten. Vor allem die Taschendiebstähle sind trotz zahlreicher Präventionsanstrengungen, mehr Festnahmen und einer verbesserten Zusammenarbeit mit der Justiz, erneut um 10,7 Prozent auf insgesamt 44.722 angezeigte Taten gestiegen. Leicht positiv stellt sich die Entwicklung bei Wohnraum-Einbrüchen dar. Hier gab es nach 2015 auch 2016 einen Rückgang (von 11.815 in 2015 auf 11.507 in 2016). Beim Wohnungseinbruch wurde ein Rückgang um 2,9 Prozent auf 8.211 Fälle und beim Einbruch in Villen und Einfamilienhäuser ein Rückgang um 1,8 Prozent auf 3.296 Fälle verzeichnet.

Berlins Innensenator Andreas Geisel sagte bei der Vorstellung der Berichte: „Insgesamt ist das eine erfreuliche Entwicklung. Berlin wächst, die Kriminalität nicht. Ich weiß aber sehr wohl, dass sinkende Zahlen in der Statistik wenig Trost spenden für die, die Opfer einer Straftat geworden sind. An sie müssen wir auch denken und ihnen müssen wir helfen. Am besten tun wir das, indem wir die Täter schnell finden. Ich werde mich dafür einsetzen, die Rahmenbedingungen für die Polizeiarbeit weiter zu verbessern: Für die Sicherheit, die Freiheit und die gesellschaftliche Vielfalt in unserer Stadt.“

Der Polizeipräsident Klaus Kandt: „Bei den schwersten Verbrechen wie Mord, Totschlag und Raub gibt es deutliche Rückgänge. Damit ist belegt: die ständig wiederholte Behauptung „es wird immer schlimmer“ ist falsch. Auch bei den Eigentumsdelikten gibt es erste positive Trends. Das alles ist aber kein Selbstläufer sondern das Ergebnis harter Arbeit meiner Kolleginnen und Kollegen. Da hilft es, dass wir in den nächsten Jahren mit einem Personalzuwachs rechnen können, um die Sicherheit in Berlin weiter zu verbessern.“

Seit 2015 enthält die PKS ein Kapitel „Kriminalität im Zusammenhang mit Zuwanderung“. Unter den 135.886 Tatverdächtigen zu allen in Berlin erfassten Straftaten – ohne ausländerrechtliche Verstöße – befinden sich 9.614 Tatverdächtige mit einem der folgenden Aufenthaltsstatus: Asylbewerber, International/national Schutzberechtigte, Duldung, Asylberechtigte, Kontingentflüchtlinge und unerlaubter Aufenthalt. Das sind 2834 Tatverdächtige mehr als im Vorjahreszeitraum.

Im Bereich der politisch motivierten Kriminalität (PMK) gibt es aufgrund des Anschlages auf dem Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz und den damit verbundenen polizeilichen Maßnahmen noch Erfassungsrückstände. Endgültige Fallzahlen für das Jahr 2016 liegen daher noch nicht vor. Insgesamt wurden im Berichtsjahr 4112 Fälle gemeldet. Damit stieg das Fallaufkommen im Vergleich zum Vorjahr um 312 bzw. 8 Prozent. In 664 Fällen handelte es sich um Gewaltdelikte.

Im Phänomenbereich politisch motivierte Kriminalität-Rechts sanken die Fälle im Berichtsjahr von 1.666 auf 1588. Das ist ein Rückgang um 78 Fälle (- 5 Prozent). Die Fallzahlen bei den Gewaltdelikten stiegen um 15 auf 158 Fälle (+10 Prozent).

Bei der politisch motivierten Kriminalität-Links gab es 166 Fälle mehr (+ 16 Prozent). Insgesamt wurden in diesem Bereich 1.226 Fälle aufgenommen. Die Gewaltdelikte stiegen von 362 Fällen im Jahr 2015 auf 379 Fälle (+ 5 Prozent).

Bei der politisch motivierten Ausländerkriminalität stieg das Fallaufkommen um 121 (+41 Prozent) auf 413.

Die Kurzberichte zur Polizeilichen Kriminalstatistik Berlin 2016 und der Lagebericht zur politisch motivierten Kriminalität 2016 sind als Download im Internet verfügbar:
http://www.berlin.de/sen/inneres/sicherheit/polizei/kriminalstatistiken-und-lagebilder/2016/artikel.514326.php

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare verfasst.

Kommentar schreiben

Name:

Sicherheitscode: