Kurden und Konflikt:
Gut und Böse sind nicht zu treffen

Kommentar von Manfred Lachniet (NRZ)

ZEITPUNKT-MAGAZIN - Im Nahen Osten spielt sich vor unseren Augen - erneut - ein Drama ab. Die türkische Armee ist in Syrien eingerückt und bekämpft dort die Kurden. Sie tötet jene Kämpfer, die 2014 von der Bundeswehr mit Raketen ausgerüstet wurden. Damals war man froh, dass die Kurden tapfer gegen den IS ins Feld zogen. Man mag sich kaum vorstellen, was in den Köpfen der kurdischen Kämpfer vorging, als die Bundesregierung den Türken Panzern lieferte. Sie fühlen sich verraten; wie so oft in ihrer Geschichte.

Hier lebende Kurden werden deswegen heute auf die Straße gehen und den Konflikt nach Deutschland tragen. Unfassbar ist, dass sich in Syrien nun türkische und US-Soldaten gegenüberstehen, denn auch die Amerikaner nutzen die kurdischen Militärs gern. Zwei Nato-Partner im Krieg. Außerdem zündeln Putin und der Iran kräftig mit. Die Lage im Nahen Osten bleibt komplex und verworren. Gut und Böse sind nicht zu trennen; dies gilt übrigens auch für die Kurden. Klar ist allein, dass nun wieder Frauen, Männer und Kinder leiden; neue Flüchtlingsströme sind zu erwarten. Als gäbe es nicht schon genug Leid in dieser Region.

Wir im Westen sind da nicht unbeteiligt. Unser politisches Tun oder Nicht-Tun hat stets Auswirkungen an anderer Stelle. Abschottung funktioniert eben in keiner Richtung. Darum ist es so wichtig, dass die europäischen Staaten mehr Einigkeit zeigen: Nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Innen- und Außenpolitik. Derzeit wirbt lediglich Emmanuel Macron für die gemeinsame Sache. Es wird Zeit, dass ihm Deutschland hilft: sobald die neue Bundesregierung steht.

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