Das scheinheilige Statement von
Xavier Naidoo zur Ā»MarionettenĀ«-Debatte

Geschrieben von Zeitpunkt am 10. Mai 2017 um 11:26:52

Naidoos Methode der AfD: Erst die Sau raus lassen, dann wieder relativieren und »unmissverständliche Dementis« wieder dementieren

ZEITPUNKT-MAGAZIN – Xavier Naidoo hat mit seinem Song »Marionetten« für Wirbel gesorgt. In dem Lied ist die Rede von »Volksverrätern«»Volks-in-die-Fresse-Tretern« und »Pizzagate« – Kampfbegriffe, die als rechts verstanden werden können und wurden. Oder «missverstanden«, wie Xavier Naidoo nun in einem Facebook-Posting schreibt.


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Naidoos Methode der AfD: Erst die Sau raus lassen, dann wieder relativieren und »unmissverständliche Dementis« wieder dementieren

ZEITPUNKT-MAGAZIN – Xavier Naidoo hat mit seinem Song »Marionetten« für Wirbel gesorgt. In dem Lied ist die Rede von »Volksverrätern«, »Volks-in-die-Fresse-Tretern« und »Pizzagate« – Kampfbegriffe, die als rechts verstanden werden können und wurden. Oder «missverstanden«, wie Xavier Naidoo nun in einem Facebook-Posting schreibt.

Zahlreiche Medien haben sich bereits an dem umstrittenen Song(-Text) abgearbeitet, auch Satiriker Jan Böhmermann hat sich Xavier Naidoo öffentlichkeitswirksam vorgeknöpft. Kollektiver Konsens: Der Sohn Mannheims ist mit »Marionetten« schon wieder auf den rechten Weg abgebogen.

Nur vom Interpreten selbst hat es nach den viel diskutierten Liedzeilen kein Statement gegeben. Bis jetzt: Xavier Naidoo hat sich nun via Facebook zu Wort gemeldet und meint, dass Passagen »teilweise aus dem Kontext gerissen« wurden – räumt aber auch mögliche Missverständnisse ein.

»Bei dem Lied ‚Marionetten‘ handelt es sich um eine zugespitzte Zustandsbeschreibung gesellschaftlicher Strömungen, also um die Beobachtung bestimmter Stimmungen, Auffassungen und Entwicklungen, dies im Rahmen einer künstlerischen Auseinandersetzung bewusst überzeichnet.«, erklärt Naidoo. »Das mag missverständlich gewesen sein, daher ist mir folgendes wichtig: Die Söhne Mannheims und ich stehen für eine offene, freiheitliche, liberale und demokratische Gesellschaft, in der viele Kulturen gemeinsam zusammenleben und in der es allen Menschen möglichst gut geht.«

Naidoo widerspreche »auch jeglicher Instrumentalisierung« seiner Musik und Texte »durch entsprechende politische Gruppen« – der Song wurde aufgrund von Kampfbegriffen wie »Pizzagate« aber auch »Volksverräter« in rechten Kreisen eifrig geteilt, darunter das rechte Magazin Compact, führende Mitglieder der rechten Identitären Bewegung und der NPD. Er halte es für schade, »dass in der Diskussion über diesen Song teilweise Unterstellungen wiederholt werden, zu denen es meinerseits zahlreiche Klarstellungen und unmissverständliche Dementis gab.«

Das ist der springende Punkt: Naidoo fällt nicht zum ersten Mal durch seine Texte auf, nicht zum ersten Mal distanziert sich der Künstler von der Kritik. Etwa 2014, als Xavier Naidoo am Tag der Deutschen Einheit in Berlin eine Ansprache bei den Reichsbürgern hielt. Ein Jahr später wollte der NDR den Sänger für Deutschland zum Eurovision Song Contest schicken. Nach einem Shitstorm, revidierte der Sender die Entscheidung.

Ordinär, dumm und beschränkt
2012 sang er in dem Song »Wo sind sie jetzt«:
Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab
Und dann fick ich euch in den Arsch so wie ihr’s mit den Kleinen macht
Ich bin nur traurig und nicht wütend trotzdem will ich euch töten
Ihr tötet Kinder und Föten und dir zerquetsch ich die Klöten
Ihr habt einfach keine Größe und eure kleinen Schwänze nicht im Griff
Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist?

Kritiker haben in dem Songtext einen Gewaltaufruf und Homophobie gesehen. Doch auch hier hat es sich offenbar um ein Missverständnis gehandelt: »Zuerst möchten wir all unsere Sympathie und unseren großen Respekt gegenüber allen Schwulen und Lesben weltweit bekunden«, stellten Naidoo und Rapper Kool Savas damals in einer Stellungnahme klar, wie u.a. die taz berichtet hat. Man wollte lediglich die Aufmerksamkeit auf schreckliche Verbrechen lenken. Savas fügte hinzu: »Ich möchte klarstellen, dass es nie die Absicht unseres Liedes war, Homosexualität und Pädophilie gleichzusetzen oder zur Gewalt gegen Menschen aufzurufen.«

Wie ernst lässt sich nun also Naidoos Klarstellung zu »Marionetten« nehmen? Zwar beteuert der Songschreiber, dass er niemandem seine Stimme gebe, sondern seine »eigene mit den Mitteln meiner Kunst« erhebe. »Und die ist oft hinterfragend, teils kindlich, im besten Fall zum eigenständigen Denken anregend, manchmal tiefsinnig, vielleicht auch für manche belanglos oder an ihrer Sache vorbei, gerne auch mal provozierend«, so Naidoo. Doch immer wieder tendenziöse Texte nachzulegen erweckt den Eindruck, als würde Naidoo seine »unmissverständlichen Dementis« wieder dementieren.

Mit Material von „Meedia Redaktion “ - hier