Irgendwer zahlt immer – Vom Wert der Arbeit

 Irgendwer zahlt immer – Vom Wert der Arbeit
Reinhold Würth
beim Diktat am Schreibtisch.
Bild: rbb/DOKfilm

Film von Sascha Adamek und Martin Hahn
am 
10.12.2019 | 22:45 | vom rbb in Das Erste

ZEITPUNKT-MAGAZIN - Das Leben im Hamsterrad: Die einen machen ein Vermögen, die anderen schuften zum Billiglohn. Was ist unsere Arbeit noch wert und wo liegt die Schmerzgrenze? Persönliche Einblicke geben in diesem Film der Milliardär Reinhold Würth und eine seiner Fabrikarbeiterinnen, der Start-up-Unternehmer Niklas Östberg und eine seiner Fahrradkurierinnen, sowie der Jungbauer Bertram Dohle, der mit seinem Dorf der Globalisierung trotzt.

Der Dokumentarfilm zeigt, was der ökonomische Druck mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten macht: Mit Reinhold Würth, mit seiner Fabrikarbeiterin, mit seinem Verkaufsvertreter, aber auch mit dem Bauunternehmer, der wiederum versucht, die Preise des Würth-Vertreters zu drücken und - ungewollt - dessen Provision schmälert. Würth rechnet offen vor, dass der Wert seiner Unternehmen bei einem Verkauf bis zu 14 Milliarden Euro einbrächte. Und er habe 75.000 Menschen Arbeit gegeben. Seine Fabrikarbeiterin kommt gerade so über die Runden.

Der Start-up-Unternehmer Niklas Östberg kämpft mit seinem Unternehmen Delivery Hero gegen die harte globale Konkurrenz - und verliert am Ende den deutschen Markt an den Konkurrenten Lieferando. Doch diese "Niederlage" spült für Östberg zugleich 1 Milliarde Euro in die Kasse. "So funktioniert Kapitalismus", sagt die Radkurierin, die für neun Euro die Stunde unterwegs ist, zum beinharten Konkurrenzkampf.

Der Jungbauer Bertram Dohle aus dem sauerländischen Dorf Kallenhardt sagt, man habe hier so etwas "wie ein eigenes kleines Wirtschaftssystem." Das heißt, man hilft sich, wo man kann - und das oft unentgeltlich. Denn die Landwirte sind am Ende der Wertschöpfungskette in der Nahrungsmittelwirtschaft. Das Porträt der Familie Dohle zeigt, wie sich Menschen organisieren, um auf einem globalen Markt bestehen zu können. Und es zeigt, dass Tradition und Heimatgefühl keine leeren Worthülsen sind, sondern zum Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen gerade vor den Drohkulissen des globalen Marktes positiv beitragen können.

Das tägliche Hamsterrad dreht sich immer schneller, aber die Menschen in diesem Film behalten ihren Humor und lassen sich ihre Würde nicht nehmen. Das ist eine Erkenntnis des Dokumentarfilms von Sascha Adamek und Martin Hahn. Er gewann 2017 den ARD-Dokumentarfilm-Wettbewerbs "Top of the Docs".

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare verfasst.

Kommentar schreiben

Name:

Sicherheitscode: