Brennpunkt Brasilien: Wie europäische Wirtschaftsinteressen Lebensraum bedrohen

Brennpunkt Brasilien: Wie europäische Wirtschaftsinteressen Lebensraum bedrohen

    Erheblicher Anstieg von Menschenrechtsverletzungen und Umweltkriminalität 

ZEITPUNKT-MAGAZIN - Die Waldbrände im Amazonasgebiet haben Brasilien zuletzt konstant in den Fokus medialer Aufmerksamkeit gerückt. Weniger bekannt ist, dass die indigene Bevölkerung Brasiliens aktuell von Vertreibung und Gewalt akut bedroht ist. Um darauf aufmerksam zu machen, reisen Vertreter indigener brasilianischer Volksgruppen der Organisation APIB (www.apib.info) von Mitte Oktober bis Ende November 2019 durch Europa. APIB hat die wichtigsten Daten und Fakten zur Situation der indigenen Bevölkerung zusammengestellt.

Verletzungen der Menschenrechte in Brasilien
Für die im Amazonasgebiet lebenden Volksgruppen ist der Erhalt des Regenwaldes von existenzieller Bedeutung. Jedoch wollen industrielle Unternehmen zunehmend Anbauflächen für kommerzielle Zwecke erschließen und nutzbar machen. Dieser Interessenkonflikt bedeutet eine Gefahr für Mensch und Natur: Die indigene Bevölkerung muss sich häufig gegen Unternehmen oder deren organisierte Milizen verteidigen, die gewaltsam in ihren Lebensraum eindringen.

Im Laufe der letzten 15 Jahre ist der Nichtregierungsorganisation Global Witness zufolge ein enormer Anstieg an Gewaltvorfällen bis hin zur Tötung indigener Menschen zu verzeichnen. Zusätzlich verschärfen die Äußerungen des brasilianischen Präsidenten Bolsonaro bezüglich der Straflockerung für Umweltkriminalität die Lage, da sie das Vorgehen gegen indigene Einwohner legitimieren.

Die aktuelle Lage in Zahlen und Fakten
Die folgenden Zahlen zeigen, dass in Europa getroffene Entscheidungen zwar indirekt, aber dennoch maßgeblich mitbestimmen können, was im Amazonasgebiet passiert:

Die EU ist Brasiliens zweitgrößter Handelspartner: Über 18 Prozent des brasilianischen Gesamthandels erfolgen mit der EU. Von den Finanzmitteln, die seitens der Union in lateinamerikanische Länder fließen, gehen außerdem über 48 Prozent an Brasilien. Auch importierte die Europäische Union im Jahr 2017 brasilianischen Stahl für einen Milliardenbetrag, für dessen Produktionsstätten die Abholzung großer Waldflächen nötig war. Als Europas größter Lieferant für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Tierfuttermittel muss Brasilien außerdem konstant seine Agrarflächen erweitern.

Europabesuch der Volksvertreter. Bis zum 20. November 2019 sind die Anführer der indigenen Gruppen in den EU-Ländern unterwegs

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