Geschlechtergerechte Sprache
hat eine neue Dimension (Teil 2)

Geschlechtergerechte Sprachehat eine neue Dimension (Teil 2)

Die aktuelle Sprache in Wort und Schrift so gestalten, dass sich darin auch diejenigen wiederfinden, die sich weder als Frau noch als Mann fühlen. 

ZEITPUNKT-MAGAZIN - Sind die Anreden "Frau" und "Herr" in Zukunft verpönt? Teils ja, teils nein. In allen Konstellationen, in denen Ihnen die Einstellung von Menschen zu ihrem Geschlecht als Frau oder Mann bekannt ist oder Sie seit Längerem mit ihnen kommunizieren, bleibt selbstverständlich alles wie gewohnt. Haben Sie zum Beispiel einen Geschäftspartner jahrelang mit "Guten Tag, Herr Meyer" willkommen geheißen oder eine Bekannte mit "Liebe Frau Schröder" angeschrieben, bedarf es keiner Änderung. Es sei denn, eine Person teilt Ihnen ihre speziellen, anders lautenden Wünsche auch während einer bereits bestehenden Verbindung mit.

Die Selbstvorstellung und das Bekanntmachen bekommen eine wichtige Bedeutung

Bei Erstkontakten ist es eine praktische Lösung, wenn diejenigen, die weder mit "Frau" noch mit "Herr" angesprochen werden möchten, dies direkt bekannt geben. So erleichtern sie denen, die wertschätzenden Umgang praktizieren möchten, dieses Ziel schnell zu erreichen. Eine gute Gelegenheit dazu ist die Selbstvorstellung. Wobei der Vorschlag einer Journalistin: "Hallo, ich heiße Katharina, meine Pronomen sind sie und ihr" wohl eine Möglichkeit darstellt, jedoch sicher nicht zwingend der einzige Weg ist. Nach der Namensnennung anzugeben, wie ein Individuum gern angeredet werden möchte, kann auch etwa so formuliert werden: "Guten Tag, ich bin Eike Exempel und möchte gern ohne Frau und Herr einfach mit meinen Namen angesprochen werden."

Einem solchen Wunsch zu entsprechen, sollte dann ein Gebot der Höflichkeit sein. Fehlt eine dahingehende Information, kann eine Frage dazu hilfreich sein. Wird ein erster Kontakt zum Beispiel per E-Mail aufgenommen, steht auch dann sowohl einem Hinweis als auch einer Nachfrage zur bevorzugten Anrede nichts im Wege. Beispiel zu Letzterem: "Wenn Sie eine andere als die heute von mir gewählte Anrede wünschen, bin ich Ihnen für einen kurzen Hinweis dazu dankbar."

Übernimmt eine dritte Person das Bekanntmachen, zeigt diese sich umsichtig, wenn sie die entsprechende Information über die gewünschte Anrede als Zusatzinformation direkt einfließen lässt. Da solche Vorstellungsvorgänge nur von denjenigen übernommen werden können, die die bislang noch Fremden kennen, und weiterführende Infos zu den bekanntzumachenden Personen grundsätzlich empfehlenswert sind, ist das ohne großen Aufwand möglich.

Tipps zu persönlichen Anreden schriftlich wie mündlich

Um beim Beispiel "Eike Exempel" zu bleiben: Mündlich wird diese Person bei einer Begegnung dann einfach mit "Guten Tag, Eike Exempel" begrüßt, was sich problemlos ebenso oder in Verbindung mit einem anderen Tagesgruß als schriftliche Anrede einsetzen lässt. Bei einer Brief-Adresse reicht es ebenfalls, den Namen ohne die Zusätze "Frau" oder "Herrn" zu nennen.

Auch im Laufe eines Gesprächs bietet sich die Verwendung des kompletten Namens an, etwa: "Und was halten Sie von unserem Vorschlag, Eike Exempel?" Gleiches gilt, wenn die Anrede nur mit einem Namen, etwa Vanja, bevorzugt wird. Und selbst wenn individuelle Wünsche - etwa "Professecs" für einen Menschen, der weder mit "Professorin" noch mit "Professor" tituliert werden möchte - manchen ausgefallen erscheinen mögen: Sie zu respektieren, ist Bestandteil von wertschätzendem Verhalten.

Passé sollte die bislang gebrauchte Sammelanrede für fremde Personengruppen mit "Sehr geehrte Damen und Herren" sein. Schon lange galt sie im Schriftverkehr sowieso als letzter Notnagel, wenn keinerlei Ansprechperson herauszufinden beziehungsweise bekannt war. Dort, wo sie unumgänglich ist, kann sie - jeweils den Gegebenheiten angepasst - so modernisiert werden:

"Sehr geehrtes Team", "Sehr geehrter Kundschafts-Service der ABC-Gesellschaft", "Sehr geehrtes Service-Team", "Sehr geehrtes Team der Firma Muster", "Sehr geehrtes Teammitglied der ABC-Versicherung", "Sehr geehrtes Belegschaftsmitglied", "Sehr geehrtes Kollegium" oder einfach "Guten Tag!".

Bei Veranstaltungseröffnungen lässt sich das "Damen und Herren" ebenfalls ohne Schwierigkeiten ersetzen. Beispiele: "Sehr geehrtes Publikum", "Sehr geehrte Tagungsteilnehmende", "Guten Abend, liebe Ballgäste", "Guten Morgen, sehr geehrte Anwesende" oder "Herzlich willkommen Ihnen allen zu unserem heutigen ..."

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